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Sterblichkeit von Fischen nach dem Zurücksetzen

10.08.2017

Die Debatte um Sinn und Unsinn vom „Fangen und Freilassen“ geangelter Fische, kurz: C&R (=Catch & Release), ist einer der häufigsten Streitpunkte unter Anglern.

Sicherlich deshalb, weil es in diesem Punkt viele Gerüchte und Theorien gibt, die sich mittlerweile alle mehr oder minder entkräften lassen.

Fakt ist, wer vorsätzlich C&R betreibt, macht sich strafbar. Als Gründe wird von Anglern meist die Tatsache aufgeführt, dass gerade große Fische besonders viele Eier ablegen. Untersuchungen zu Folge sind diese aber mit zunehmendem Alter des Fisches unfruchtbarer. Andern Studien nach zur Folge, wirken sich gerade große Fische günstig auf den Besatz aus.

Viele Angler die aktiv C&R betreiben, brüsten sich mit der Aussage, dass es dem Fisch nicht schaden würde. Andere entnehmen widerrechtlich untermaßige Fische die den Haken geschluckt und daher "nicht mehr überlebensfähig" seien.

Mehrere Studien bezüglich der Überlebensfähigkeit von Hechten, Zandern und Salmoniden kamen zu folgendem Ergebnis:

 

è  Wird ein Fisch direkt im (!) Wasser wieder abgehakt, liegt die Wahrscheinlichkeit dass er kurz nach dem abhaken stirbt geringer. Bei Zandern liegt die durchschnittliche Sterberate, wenn der Fisch außerhalb vom Wasser abgehakt wird statt bei 11 % bei 31,3 %! Bei Karpfen sind die Fische bis zu 10 min. an der Luft voraussichtlich weiterhin voll überlebensfähig- allerdings zeigte dies eine Studie bei Temperaturen < 22 ° C, in heißen Monaten kann davon ausgegangen werden, dass auch hier die Belastung möglicherweise steigt und damit die maximal-tolerierbare Zeit an der Luft für den Karpfen sinkt.

 

Fazit: Mindestens jeder 10. (wenn auch) schonend abgehakte Zander verstirbt! Bitte angeln Sie daher dort wo Sie mehrmals untermaßige Fische geangelt haben, nicht weiter!

 

è  Bei Salmoniden die mehr als 60 Sekunden zum abhaken aus dem Wasser genommen wurden (auch wenn sie auf eine Abhakmatte gelegt wurden!) erhöhte sich die Sterberate auf > 70 %!  

 

Fazit: Haken Sie Fische die Sie zurücksetzen müssen -egal welcher Größe (!) wenn möglich im Wasser ab. Das Abfotografieren an der Luft vermindert erheblich die Überlebenschance! 

 

è  Fische die einen Haken verschluckt haben, überleben zu 92 % wenn die Schnur möglichst nah am Haken abgeschnitten wird und der Haken im Fisch verbleibt. Das "herausoperieren“ eines Hakens vervierfacht das Sterberisiko (32 % statt 8 %)!

 

Fazit: Wird ein Haken verschluckt, ist der Fisch überlebensfähig. Das Abschneiden der Schnur möglichst nah am Haken, ist dabei besser als das entfernen des Hakens.

 

è Um im Wasser schnell voranzukommen und sich gegen die zahlreichen Parasiten und Krankheitserregern im Wasser zu wehren, produzieren Fische literweise Schleim, um ihre empfindliche Oberhaut zu schützen! An Stellen die mit trockenen Händen angefasst werden und oder durch eine Landung außerhalb vom Wasser werden binnen Sekunden komplette Schleimhautareale zerstört. Die Fische versterben, weil sie nicht mehr schnell genug vor Fraßfeinden (z.B. Kormoranen) flüchten können oder versterben letztendlich unter der - wenn auch unblutigen- Schleimhautverletzungen durch das Eindringen von Parasiten.

 

Fazit: Fische im Wasser abhaken. Ist das nicht möglich - mindestens auf einer Abhakmatte (wenn nicht vorhanden:eine nasse Plastiktüt oder auf dem Netz eines gummierten Keschers)! Packen Sie die Fische  mit feuchten Händen an und quetschen Sie diese dabei nicht zu sehr um innere Verletzungen zu vermeiden. Das Zurücksetzen gelandeter z.B. im Gras oder auf Steinen liegender Fische ist nicht waidgerecht und ist - zu Recht -  ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

 

è Je größer der Fisch, desto stressresistenter ist er in der Regel. Untermassige Fische sollten somit am schonendsten behandelt bzw. am schnellsten wieder freigelassen werden.  Für sauerstoffliebende Salmoniden sind heiße Temperaturen zusätzlicher Stress, der die Sterblichkeit nach dem Zurücksetzen enorm erhöht! Während die Sterblichkeit nach dem freilassen bei Salmoniden bei durchschnittlich 16 % liegt, vervierfacht sich diese bei Wassertemperaturen von > 20 ° C auf eine Sterberate von über 60 %!

Fazit: Verwenden Sie bei hohen Wassertemperaturen Schonhaken, haken Sie die Fische im Wasser ab oder weichen Sie auf andere Fische als Salmoniden aus. Angeln Sie insbesondere im Sommer nicht an Stellen wo die Wahrscheinlichkeit untermassige Fische zu fangen besonders hoch ist, bzw. wechseln Sie die Stelle.

 

è Für Fische ist ein Drill Stress! Drillen Sie ihn deshalb so kurz wie möglich. Wenn der Fisch nach dem Freilassen Zeichen von Erschöpfung zeigt, müssen Sie ihn beleben. Halten Sie dazu den Fisch nach dem abhaken im Wasser noch kurz in den feuchten Händen und schauen Sie ob er in der Lage ist alleine wegzuschwimmen! Wenn nicht, halten Sie den Fisch mit dem Kopf in die Strömung. So werden die Kiemen mit sauerstoffreichem Wasser umspült. Ein Fisch sollte nicht freigelassen werden, bevor er nicht aus eigener Kraft davonschwimmt. An warmen Tagen kann das auch erst nach einigen Minuten sein.

 

Fazit: Werfen Sie insbesondere an heißen Tagen oder nach langen Drills keinen Fisch zurück ins Wasser. Halten Sie ihn mit feuchten Händen fest bis er von alleine wegschwimmt.

 

 

Alles in allem, möchten wir unsere Mitglieder ermuntern sich dieses Wissen zum Schutze unserer Fischbestände zu Herzen zu nehmen!

Literatur:

  1. Arlinghaus R., T. Klefoth, A. Kobler & S.J. Cooke 2008a. Size selectivity, injury, handling time, and determinants of initial hooking mortality in recreational angling for northern pike: the influence of type and size of bait. North American Journal of Fisheries Management 28:123-134.
  2. Arlinghaus R., T. Klefoth, A.J. Gingerich, M.R. Donaldson, K.C. Hanson & S.J. Cooke 2008b. Behaviour and survival of pike, Esox lucius, with a retained lure in the lower jaw. Fisheries Management and Ecology 15:459-466.
  3. Bartholomew, A. & J.A. Bohnsack 2005. A review of catch-and-release angling mortality with implications for no-take reserves. Reviews in Fish Biology and Fisheries 15:129-154.
  4. Dubois R.B. & J.M. Pleski 2007. Hook shedding and mortality of deeply hooked brook trout caught with bait on barbed and barbless hooks. North American Journal of Fisheries Management 27:1203­1207.
  5. Fobert E., P. Meining, A. Colotelo, C. O'Connor & S.J. Cooke 2009. Cut the line or remove the hook? An evaluation of sublethal and lethal endpoints for deeply hooked bluegill. Fisheries Research 99:38­46.
  6. Klefoth T., A. Kobler & R. Arlinghaus 2011. Behavioural and fitness consequences of direct and indirect non-lethal disturbances in a catch-and-release northern pike (Esox lucius) fishery. Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems 403:11p.
  7. Lewin W.C., A. Bischoff & T. Mehner 2010. Die „Gute fachliche Praxis" in der Binnenfischerei. Bundesamt für Naturschutz (Hrg.), Naturschutz und Biologische Vielfalt 105:477pp.
  8. Muoneke M.I. & W.M. Childress 1994. Hooking mortality: areview for recreational fisheries. Reviews in Fisheries Science 2:123-156.
  9. Schisler G.J. & E.P. Bergersen 1996. Post-release hooking mortality of rainbow trout caught on scented artificial baits. North American Journal of Fisheries Management 16:570-578.
  10. Tsuboi J., K. Morita & H. Ikeda 2006. Fate of depp-hooked white-spotted charr after cutting the line in a catch-and-release fishery. Fisheries Research 79:226-230.
  11. http://www.royal-flyfishing.com/cms/upload/bilder/Berichte/Catch/30_35_FiFli14.pdf
  12. http://www.raubfisch-xxl.de/die-sterblichkeit-untermassiger-zander-nach-dem-fang-2.html
  13. https://www.bvo-emden.de/bvo_site/pages/fischsterben_Angelhaken.php
  14.  Fischer &Teichwirt 05/2017, S. 182, Stressreaktion des Karpfens auf Angeln, Luftaufenthalt und Hälterung

 

 

 

 


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